Aikido-Verein Hannover e.V.
- seit 1975 -
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Vereinschronik

"Eigentlich wollten wir doch nur Aikido machen."

So erzählt Vereinsgründer Klaus Liermann, wenn man ihn nach den Anfangstagen unseres Vereins fragt. Dieses „nur“ hat sich dann aber doch zu einem ziemlich umfangreichen Projekt ausgewachsen - heute ist dieses Projekt unter dem Namen Aikido-Verein Hannover (auch AVH) bekannt.

Im September 2010 hat der Aikido-Verein Hannover seinen 35. Geburtstag gefeiert, und zählt damit zu den ältesten Aikido-Vereinen in Deutschland.

Natürlich könnte man einen Abriss dieser 35 Jahre im wesentlichen chronologisch auflisten. Doch das wäre nicht nur recht aufwendig, sondern wohl auch sehr langweilig.

Wagen wir daher einen kleinen Rückblick in die Pionierzeit des Aikido in Deutschland: 1975 - das ist das Jahr in dem ein Herr "Otto" (Normalverbraucher) 1260,- DM brutto verdiente, die Mehrwertsteuer bei 11% lag, Charly Chaplin zum Ritter geschlagen und Microsoft gegründet wurde.

Aikido war in Deutschland eine weitgehend unbekannte Kampfkunst - in der Regel hatten nur Kampfsport-Freaks von dieser exotischen japanischen Selbstverteidigung gehört, die irgendwie so ganz anders sein sollte, als das bis dahin bekannte Judo oder Karate.

Auch Klaus Liermann, unser späterer Vereinsgründer, hatte zunächst Judo gelernt. Irgendwann, Ende der 1960er Jahre ergab sich für ihn jedoch die Gelegenheit, eine Aikido-Vorführung von Katsuaki Asai in Hannover zu sehen - Asai war 1965 vom Aikikai-Verband nach Deutschland gesandt worden, um hier einen eigenen Verband aufzubauen. “Diese Vorführung bestimmte mein künftiges Leben“, erzählt Meister Klaus, „denn hier sah ich das, was ich mir eigentlich immer unter Judo vorgestellt hatte: Eine Kampfkunst voller Eleganz, Effizienz und Schönheit. Seit diesem Tag stand für mich fest, dass ich diese Kampfkunst erlernen wollte.“

Was sich aber als nicht so einfach herausstellen sollte, denn es gab zu dieses Zeit nur sehr wenige Aikido-Lehrer in Deutschland - und auch kaum Vereine. Meister Klaus musste sich also - wie viele Aikido-Interessierte - seine Kenntnisse mühsam zusammensuchen. „1966 kam Gerd Wischnewski aus Japan nach Deutschland zurück, der ebenfalls beim Aikido-Gründer Ueshiba in Tokio gelernt hatte und nun Lehrgänge in ganz Deutschland durchführte. „Und egal wo - ich war dabei“, erzählt Klaus begeistert. „Alles auf eigene Kosten. Es gab ja keinen Verband, der uns bezuschussen konnte. Und so war ich auch einer der ersten in Deutschland, die bei Gerd Wischnewski die Prüfung zum Gelb-Gurt absolvierten. Damit stieg mein Ansehen in meinem Judo-Club schlagartig. Ich war nicht mehr ein einfacher Weiss-Gurt, so wie meine Judo-Kollegen.

Damals richtete der Judo-Verein vierteljährlich Anfängerkurse aus, bei denen sie ihr Budo-Sortiment (Judo und Jiu-Jitsu) zusammen präsentierten. Die Anfänger konnten sich dann aussuchen, was sie weitermachen wollten. Mit neuem Selbstbewusstsein (gelb!) bat ich den Vorstand darum, beim nächsten Anfängerkurs mit meinem Bruder auch Aikido vorführen zu dürfen. Dem wurde stattgegeben und prompt stand ich nach dem nächsten Kurs mit 20 Schülern da. Als Gelbgurt! Gleichzeitig der höchstgraduierte Hannoveraner“. „Jahrelang“, erzählt Klaus weiter, sei er oft nur zwei bis drei Gürtel weiter gewesen als seine Schüler.

Doch die Verhältnisse sollten nicht so harmonisch bleiben: Was Meister Klaus über die frühen Tage des Aikdoka in seinem Judo-Verein erzählt, wird sich so, oder so ähnlich sicherlich an vielen Orten wiederholt haben: „Die Aikido-Gruppe wuchs und bald waren weder Mattenfläche, noch Trainingszeiten ausreichend. Ich bat den Vorstand um weitere Zeit und Fläche, doch das wurde abgelehnt. Was sollte ich tun? Es war klar, dass die Judoka begannen mich als Konkurrent zu fürchten“, sagt Klaus. Also zog er mit „seinen Schülern“ aus - zunächst in eine Budo-Schule, dann ab 1975 in einen eigenen Verein. Ganz ähnlich verlief die Entwicklung auch auf Verbandsebene: Neben dem Aikikai-Weltverband, der auch in Deutschland eigene Strukturen aufbaute, gab es zu diesem Zeitpunkt nur den deutsche Judo Bund (DJB), der Aikdio zunächst als Sparte integrieren wollte. Doch viele Aikidoka fühlten sich vom DJB stiefmütterlich behandelt, und begannen ihren eigenen Verband aufzubauen.

Der Rest ist Geschichte - viel Trainingsalltag, Mühe, Schweiß und natürlich auch Spaß. Zwei weitere Ereignisse sollten wir aber noch erwähnen, denn sie haben die Arbeit in unserem Verein erheblich geprägt: 1994 erfuhr Meister Klaus aus einem Zeitungsartikel, das der Übungsraum, in dem der Verein bis dahin trainiert hatte, zu einem Klassenraum umgebaut werden sollte. „Ich bin also gleich hin, um nachzufragen, was denn los sei“, erzählt Klaus. „Mit einem Stadtteilabgeordneten, dem ich die Angelegenheit erklärt hatte, bin ich bei der nächsten Sitzung gewesen. Zunächst einmal war ich natürlich verärgert, dass wir rausgeschmissen werden sollten, mehr allerdings darüber, dass man uns nicht darüber informiert hatte. Also wir sollten da - nach 18 Jahren - raus, weil es keine "Fluchtmöglichkeiten bei Feuer gab". Nach 18 Jahren.“ Zum Glück suchte die damals noch junge Waldorfschule am Maschsee Sportvereine, die in ihrer neuen Sporthalle trainieren wollte. Seit 1993 trainiert der AVH also in der Südstadt.

2004 hat dann Meister Klaus sein bisher letztes Training gegeben - bereits seit 1999 hatte er zunehmend unter Schmerzen in der Hüfte gelitten. Norbert Knoll, seinerzeit zweiter Dan, übernahm den Posten des ersten Vorsitzenden - seit 2010 ist Norbert auch Vorsitzender des Aikido Verbandes Niedersachsen, der ebenfalls von Klaus Liermann mitgegründet wurde.

Natürlich ist auch unsere Geschichte in all diesen Jahren nicht immer nur harmonisch verlaufen. Auch wenn wir eigentlich alle versuchen, nach den Prinzipien des Aikido zu leben, die doch so einleuchtend klingen - Haltung, Zentrum, Gleichgewicht, nicht Kraft gegen Kraft setzen, hat es auch manchmal Streit gegeben. Das wesentliche aber ist in diesen mehr als 35 Jahren nie verloren gegangen:

Aikido ist keine Angelegenheit, die man ausschließlich für sich alleine machen kann. Das geht nur gemeinsam - erst recht beim Trainieren auf der Matte.

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