Sonntag im Park

Ein Sonntag im Park

DJG SommerfestZur Sicherheit haben wir dann doch die wasserfesten, roten Matten mitgenommen. Denn ob das Wetter sich halten sollte, am 10. Juli, schien alles andere als klar. Aber die Deutsch Japanische Gesellschaft Hannover richtet ihr traditionelles Sommerfest nun mal natürlich im Freien aus - genauer gesagt im Stadtpark, der sich mit seinem Hiroshima-Hain, dem kleinen Teegarten und den Karpfenteichen als Kulisse für so einen kulturellen Austausch ganz wunderbar eignet.

Neben den traditionellen Kulturtechniken wie der Kalligraphie, japanischer Tuschemalerei, einer Ausstellung von in langjähriger Arbeit kunstvoll miniaturisierter Bonsai-Bäume, Manga-Comics und natürlich diversen Kostproben der japanischen Küche sollte anlässlich dieses Ereignisses auch ein ganzes Spektrum traditioneller japanischer Kampfsportarten gezeigt werden: Iaido, Kyudo, Karate, Judo, Kendo und natürlich auch Aikido - das war unser Part.

DJG SommerfestTatsächlich schoben sich zwar immer wieder dunkle Wolken vor die Sonne, aber es blieb bei der Regen-Drohung, die nicht in die Tat umgesetzt wurde. Und das war auch sehr gut so, denn anlässlich des 150-jährigen Jubiläums der Deutsch-Japanischen Freundschaft fanden sich im Stadtpark nicht nur Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil und der japanische Konsul ein, sondern auch hunderte von Neugierigen und Japan-Fans .

DJG SommerfestZwei Vorführungen mit zehn Minuten Länge durfte der AVH bestreiten - die erste ziemlich zu Anfang aller Vorführungen, die zweite fast ganz zum Schluss. Was zeigt man in zehn Minuten, um Interessierten aber dem Kampfsport völlig Fremden einen Eindruck vom Aikido zu geben? Norberts Antwort auf diese Frage war eine Art komprimiertes Mini-Training: Der Meister zeigt die Technik zweimal, danach wird - in wechselnden Besetzungen die Technik je zweimal von allen anderen ausgeführt: Fünf Techniken ohne Waffen, und vier mit Stab konnten wir im den ersten Block unterbringen - vier Techniken gegen das Messer und drei gegen das Holzschwert im zweiten Block. Klingt eigentlich nicht so schwierig, aber zehn Minuten, haben wir gemerkt, können ganz schön lang werden.

DJG SommerfestFür den ersten Block konnte Lutz als Conferencier von der nebenan aufgebauten Bühne über die Lautsprecheranlage noch ein paar Erläuterungen zum Geschehen geben - allerdings unter erschwerten Bedingungen, da ihm die direkte Sicht auf die Matte versperrt war. Ob die Zuschauer ihm und uns aber wirklich den defensiven und friedlichen Charakter unseres Sports abgenommen haben? Der Szenenapplaus, den es immer wieder gegeben hat, orientierte sich jedenfalls mehr an akrobatischen Fall-Einlagen der jeweiligen Ukes - und weil der Rasen unter den Matten so schön weich war, gab es eine ganze Reihe mehr spektakulärer freier Fälle zu bewundern, als sonst im Training üblich. Als direkte Werbeaktion für unseren Verein schien die Geschichte zwar nicht so erfolgreich - den größten Teil der mitgebrachten Flyer haben wir wieder eingepackt - dass Aikido ein schöne Sache ist, konnten wir aber wohl doch vermitteln.„Euch hat man wenigstens angesehen, dass es Spaß macht“, sagte mir ein Zuschauer hinterher. „Das war nicht so verbissen“. Das ist doch was, oder?

 

Text: Wolfgang Stieler Fotos: Angela Meyer

 


Weitere Bilder auf Flickr. Weitere Informationen zur Deutsch-Japanischen Gesellschaft Chado-Kai e.V.

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